Wasser und Eifel
diese Begriffe gehen inzwischen, dank dem Gerolsteiner Sprudel, in vielen Köpfen zusammen.
Es gibt in der Eifel jedoch auch ein an der Oberfläche fließendes Gewässer, das seinesgleichen sucht
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An ihrem Oberlauf, beginnend etwa bei dem mittelalterlichen Burgflecken Kronenburg,
abwärts vorbei an Hillesheim, Gerolstein und Kyllburg, findet sich ein exellentes Fischgewässer,
das ich Ihnen einmal vorstellen möchte.
Das Paradies ist real, wenigstens für Fischer mit Vorliebe für waidgerechte Methoden, die den Glauben an die Existenz kapitaler, erfahrener Salmoniden in deutschen Gewässern schon verloren hatten. Hier lohnt es sich noch das Wasser sorgfältig zu lesen und Geduld zu haben. Gewitzte, alte Räuber fordern die ganze Kunst des Fliegenfischers. Das Gelände ist abwechslungsreich und mitunter anstrengend. Flache sandige Ufer wechseln mit steilen Prallhängen, teils überhängender Bewuchs mit Weiden und Erlen wird immer wieder abgelöst vom niederen Blattwerk der Pestwurz und ausgedehnten Wiesen. Das Wasser umtanzt felsige Brocken um alsbald zwischen Wurzelwerk in kaum zugänglichen Verstecken mit beträchtlicher Tiefe zu verweilen. Genau hier wohnen die kapitalen, im Fluß abgewachsenen Stücke.

Menschen siedeln an unzähligen Flüssen und Bächen, Strömen und Rinnsalen, Abwasserkanälen und Wasserstraßen. Charakter haben viele, landschaftsprägend sind etliche, manche auch sauber und natürlich, nur wenige aber friedlich und harmonisch und zugleich einladend und wohlerschlossen, von Kultur weder entrückt und noch erdrückt. Die Kyll verbindet. Schon seit vorrömischen Zeiten ist ihr Tal wegführend für die Verbindung zwischen Trier an der Mosel und Köln am Rhein, heute eint sie besonders die Fliegenfischer.


Einhundertundzweiundvierzig Kilometer durchmisst die Kyll von ihrem Ursprung an der Wasserscheide in der Nordeifel bis zu ihrer 540 Höhenmeter tiefer liegenden Mündung in die Mosel bei Ehrang. Wechselhaft, wie das Wetter in der Eifel windet sich das saubere Wasser zwischen Burgen und Vulkanen über Kalkfels, Sandstein und ausgedehnte Kiesbänke, durch Wiesen und Auwälder, mitunter gesäumt, von Straßen, oder der Eifelbahn. Alte Kirchen schmücken die verträumten Dörfer, Orchideen die eigentümlichen Wacholderhügel und viele andere, selten gewordene Pflanzen und Insekten bevölkern die abwechslungsreiche Landschaft. Bunte, schattige Wälder horten die Ruhe, von den sonnigen, luftigen Höhen schweift der Blick über die romantischen Täler. Ein Fluss zum Leben, ein Land zum Träumen. Unter rund dreißig Fischarten dominieren Forelle und Äsche insbesondere im Oberlauf der Kyll. Sie tanzen unter vielen Rauschen oder verstecken sich in bis zu vier Meter tiefen Gumpen.
Hier auf rasanten sechs Metern Breite im Schatten von Büschen und Bäumen, dort in majestätischen fünfundzwanzig Metern Weite mit diamantenem Glitzern unter der Sonne.
Ein Erlebnisgewässer mit vielen Gesichtern. Schon im vierten Jahrhundert rühmte der Dichter Ausonius die Kyll „für ihre köstlichen Fische“. Heute schwärmen davon Gourmets in den Gasthäusern und Schenken der Moderne. Wohltuend bieten sich auch dem Erholungssuchenden ein gepflegtes Netz an Wander- und Radwegen, mancherlei sehenswerte Natur-, Bau- und Kulturdenkmäler, vielfältige Freizeiteinrichtungen wie Wildparks, Reiterhöfe, Thermal- und Spaßbäder, Themenpfade zu Erd- und Kulturgeschichte, Künstlerateliers, Ausstellungen, ungewöhnliche Museen, Klöster und noch so viel mehr.
Beneidenswert, die hier fischen; beneidenswert auch ihr Gefolge. Berni Hoffmann