"Etikettenschwindel oder Unvermögen " ?,
immer öffter kommt es vor: Nicht überall wo Aftma 5 draufsteht ist auch Aftma 5 drin.

Der Fliegenfischerneuling verlässt sich meist im guten Glauben auf die Daten auf der Rute und auf eine hoffentlich kompetente Fachberatung des Verkäufers im Geschäft seiner Wahl. Doch oftmals endet dies in einem Desaster siehe auch hierzu Artikel Nr. 30 in Tips &Tricks. Doch was soll man machen wenn einem die gewisse Erfahrung in der Beurteilung seines Gerätes noch fehlt. In vielen Fällen stimmen die Klassifizierungsangaben der Hersteller auf den Ruten mit dem tatsächlichen Charakter und Eigenschaften nicht überein. Dies ist aber meist nur dem erfahrenen und geübten Werfer offensichtlich, der sein Wurfgefühl für bestimmte Situationen entwickelt hat und dem nach dem ersten Wurf auffällt "Halt" hier stimmt was nicht. Das Verhältnis von Schnur und Rute muß stimmen. Eine Rute der Klasse 5 soll eine Schnur der Klasse 5 perfekt werfen, keine Frage, doch welche Schnur wirft sich am effektivsten im Sinne des Rutencharakters. Manchmal stellt sich heraus dass eine mit Klasse 5 deklarierte Rute eine Schnur der Klasse 4 optimal wirft. Das heißt, das Aufladeverhalten und die Rückstellkraft wird mit einer eigentlich leichteren Schnur erreicht. Dies passiert gar nicht so selten. Tests haben gezeigt das sehr viele Rutenhersteller das eigentliche Vermögen ihres Produktes falsch oder anders beurteilen und zertifizieren als es die Realität ist.
1961 setzte die American Fishing Tackle Manufacters Association (AFTMA) einen Standard für Schnurge-wichte fest. Bei Einhaltung dieser Klassen von Rute und Schnur ergibt sich ein optimales Ergebnis im Wurf mit einem Minimum an Aufwand der Rutenführung ein gutes "Laden" und "Entladen" einer Rute zu erzielen.
Die meisten von uns sind aber keine "Experten" und nicht in der Lage ein solches Verhalten zu bemerken und sich so und ihrem Wurf zu schaden. Um dies zu ändern hat es in den letzten Jahren Versuche und Überlegungen gegeben die sich mit dem Austesten von Ruten und ihrem tatsächlichen Vermögen beschäftigen. Die Resultate gehen auf die Arbeiten des Amerikaners Al Kyte und des Deutschen Ludwig Reim zurück.
Mit minimalem Aufwand wird es möglich sich Klarheit über den Taper einer Rute zu beschaffen.

Die Erfolge dieser Methoden und Verbesserungen der Wurfeigenschaften lassen kaum Zweifel daran.
Zum Messen Ihrer Rutenklasse benötigen Sie lediglich nachfolgende Tabelle, einen Tisch mit Auflage und Befestigungsmöglichkeit, variable Gewichte und eine Messlatte oder Zollstock.
Berechnungsbeispiel :
Sie befestigen ihre Rute mit Gewichten oder Zwingen (mit Zulagen) auf einem Tisch, so dass der obere Griffabschluss bündig mit der Tischkante abschließt und der Rutenteil frei in den Raum ragt. Nun misst man die lichte Höhe vom Boden bis zur Rutenspitze. Ein Gewicht von 20-28 Gramm wird an die Rutenspitze gehängt und dann die Distanz erneut gemessen. Durch den Vergleich der beiden gemessenen Strecken ergibt sich das Maß für die Auslenkung. Diese muss kürzer sein als der 10.Teil der freien Rutenlänge.
Falls dies nicht so ist, das Ganze mit einem leichteren Gewicht wiederholen. Als Ergebnis erhalten wir einen Wert. Gewicht/Länge.
Ein Beispiel:
Das freie Maß zwischen Spitze und Boden beträgt 85 cm.Nachdem ein Gewicht von 20 g angehängt beträgt die Distanz nur noch 62 cm. Die Auslenkung beträgt 23 cm. Da die Originaltabellen aus dem Amerikanischen kommen und mit inches angegeben sind rechnen wir unsere Masse darauf um. ( Ein inch = 2,54 cm.) Nun rechnen wir: Gewicht 20g : 9,05 inch (Auslenkung von 23cm = 9,05 inch) = 2,20 gramm/inch. Nun schauen wir ob alles im Toleranzbereich liegt: Die freie Rutenlänge (von Spitze bis Griffanfang) beträgt 2,40m.Der 10.Teil sind 0,24m = 24cm, unsere gemessene Auslenkung betrug 23 cm, und somit weniger. Das Ergebnis ist erfolgreich.
Jetzt können wir anhand der Tabelle unseren ermittelten Wert finden und die Rutenklasse somit ablesen!
1,15 - 1,40 g/inch = # 2
1,40 - 1,60 .........= # 3
1,60 - 1,90 .........= # 4
2,00 - 2,20 .........= # 5
2,20 - 2,60 .........= # 6
2,60 - 3,00 .........= # 7
3,00 - 3,50 .........= # 8
3,50 - 4,15 .........= # 9
4,15 - 5,00 .......= # 10
5,00 - 5,90 .......= # 11
  • Unsere Rute aus dem Beispiel wäre also eine "echte" Aftma Klasse 5 ( 2,2g/inch )

    Bild 1
    : Als Befestigungsfläche reicht ein Tisch oder eine Fensterbank. Eine schützende Zulage sowie eine
    ...........Unterlage nicht vergessen. Die Rute sollte relativ waagerecht in den Raum ragen.
    Bild 2 : Als Gewichte dienen Grundbleie mit einem Gewicht von 20 - 28 g.
    ..........:Mit einem Karabiner oder aufgebogener Briefklammer lässt es sich gut in den Leitring einhängen.
    Bild 3 : Messen ohne Gewicht.
    ...........Nun vermessen Sie den Abstand vom Boden bis zur Rutenspitze mit Hilfe eines Zollstockes.
    ...........In gezeigtem Beispiel ergeben sich 88cm (34,65 inch).
    Bild 4 : Nun wird das Gewicht (20g) in den Leitring eingehangen und die Spitze senkt sich ab.
    ...........Eine erneute Messung von Boden bis Spitze zeigt im Beispiel ein Mass von 62cm (24,40 inch).
    .......... Die Abweichung beträgt 26cm (10,23 inch). 20 g : 10,23 inch = 1,95 g/inch
    ...........Laut Tabelle ergibt sich so eine AFTMA Klasse 4, in diesem Fall an der oberen Grenze.
    Achtung ! Für Ruten unter 1,80m wird dieser Test ungenau.
    Viel Spass beim auswiegen und messen , Rolf Renell

Für Excel - kundige gibt es eine AFTMA-Berechnungstabelle
in der Sie mit Excel verschiedene Berechnungen durchführen können
.



Zum Download klicken Sie bitte mit der rechten Maustaste auf den Button und dann auf "Ziel Speichern unter"